24. Juni: Patronatsfest der Kirche St. Johann Baptist

In unserem Land, in unserer Gegend, haben zahlreiche Kirchen den Heiligen Johannes den Täufer als Patron. Im Kirchenjahr kennen wir gleich zwei Feiertage, die Johannes gewidmet sind. Diese Dopplung ist bemerkenswert und betont seine Wichtigkeit im Kreis der Heiligen: am 24.6. feiern wir seine Geburt und am 29.8. seinen Todestag.

Mit einem eigenen Hochfest und einem Gedenktag sticht Johannes hervor, denn das gibt es sonst für keinen Heiligen, von der Gottesmutter einmal abgesehen. Johannes scheint also ein besonders wichtiger Heiliger zu sein.

Dass aus Johannes ein Großer vor dem Herrn werden würde, zeigt sich mit Blick in die Bibel schon recht früh. Das Lukasevangelium berichtet ausführlich über seine Herkunft und seine Geburtsgeschichte. Diese ist eng verwoben mit der Kindheitsgeschichte Jesu. Johannes ist der Sohn des Priesters Zacharias und der Elisabeth aus dem Geschlechte Arons, einer Verwandten von Jesu Mutter Maria. Johannes ist ein halbes Jahr älter als Jesus, deshalb feiern wir sein Geburtsfest genau sechs Monate vor Weihnachten. Da die Kirche später einen Tag nahe der Wintersonnenwende zum Geburtsfest Jesu machte, wurde die Sommersonnenwende zum Geburtstag des Täufers.

Er wird beschrieben als ein Wüstenmensch, ein Mann, der in der Wildnis lebt, als Jemand, der so ganz und gar nicht angepasst an die Gesellschaft ist, der gegen den Strom schwimmt: Johannes trägt grobe, vielleicht selbst gemachte Kleidung, aus Kamelhaar und einen ledernen Gürtel. Seine Nahrung besteht aus dem, was er in der Natur findet: Heuschrecken und wilder Honig. Vom Lebensstil her sehr schlicht und auf das absolut notwendige reduziert.

Sein öffentliches Auftreten beginnt, wenn man den Exegeten folgt, um das Jahr 28. Mit seinem Namen ist auch untrennbar seine Tätigkeit verbunden: von Johannes spricht man in einem Atemzug als dem Täufer, dem Umkehr-Täufer. Denn Johannes predigt zu den Menschen: Tut Buße, um auf das Kommen des Messias vorbereitet zu sein (Joh 1, 29 ff.)

Johannes verlangt von denen, die ihm zuhören, nach den Geboten Gottes zu leben: auf das menschliche Miteinander, auf das Verhalten gegenüber den anderen zu achten und auf die sozialen Verpflichtungen, die damit einhergehen. Wer zu ernsthafter Umkehr bereit war, durfte sich von ihm taufen lassen „zur Vergebung der Sünden“. Auch Jesus ließ sich von Johannes taufen.

Johannes war in seinen Forderungen nach Umkehr radikal. Darum geriet er auch in Konflikt mit den Pharisäern und den Sadduzäern, den religiösen Autoritäten und Entscheidungsträgern jener Zeit. Er scheute sich auch nicht, das ehebrecherische Verhältnis des Königs Herodes Antipas mit Herodias, der Frau seines Bruders, öffentlich anzuprangern. Und das muss man sich einmal vorstellen: da greift ein einfacher Mann ohne jede militärische Macht, aber mit der Kraft des Wortes, einen der mächtigsten Männer des Landes öffentlich an. Er stellt ihn bloß. Er konfrontiert den Landesfürsten mit der Wahrheit über seine eigenen Versäumnisse und Fehler. Dieser Mut brachte Johannes schließlich ins Gefängnis.

Eigentlich wollte Herodes ihn schonen, doch nach dem Versprechen an seine Stieftochter Salome, ihr einen Wunsch zu erfüllen, konnte er nicht mehr zurück. Auf Betreiben ihrer Mutter hin wünschte sich Salome den Kopf des Johannes.

Johannes Mut und Furchtlosigkeit vor den Menschen und sein Eintreten für die Wahrheit haben ihm buchstäblich den Kopf gekostet. Er wurde um das Jahr 30 auf der Festung Machaerus enthauptet.

Johannes war eine große und bedeutende Persönlichkeit seiner Zeit. Nicht nur die Bibel berichtet über ihn, auch der römisch-jüdische Historiker Josephus Flavius, der einige Jahrzehnte nach ihm lebte. Sogar im Koran wird Johannes einige Jahrhunderte später erwähnt und er genießt auch im Islam Bedeutung und Anerkennung. Johannes selbst verstand sich als ein Hinweisender, als ein Wegbereiter, als der Rufer in der Wüste (Joh 1, 23). Alle, die zu ihm an den Jordan kamen, verwies er auf den Größeren, den Stärkeren, der ihm einst folgen sollte, auf den Messias.

Eindrucksvoll wird dies in der Kunst gezeigt, beispielsweise sein Bildnis auf dem Isenheimer Altar. Dargestellt wird Johannes oftmals als Bußprediger im Fellgewand, mit Kreuzstab und dem Spruchband Ecce Agnus Dei (Seht das Lamm Gottes). Auch Abbildungen, auf denen der Enthauptete den Kopf auf einer Schale hält, sind verbreitet.

Rund um Johannes hat sich ein vielfältiges Brauchtum entwickelt. Am bekanntesten sind die Johannesfeuer, die am Vorabend des 24. Juni abgebrannt werden. Dieser Brauch reicht weit bis in die vorchristliche Zeit zurück. Sie stellen den wohl wichtigsten Bestandteil der feierlichen Begehung der Sommersonnenwende dar und wurden von der Kirche durch eine eigene Benediktion (Segnung) in ihren Kult einbezogen. Vom Mittelalter an gibt es Zeugnisse, dass sich alle Menschen - unabhängig von ihrem Stand - zu den Feuern versammelten. Dem Feuer wird reinigende, übelabwehrende sowie fruchtbarkeitsspendene Kraft zugeschrieben. In Verbindung zu den Feuern standen fröhliche Feste.

Bis zum Johannesfest wird Spargel gestochen, die Johannisbeeren sind reif und das Heu wird eingefahren.


Text: Cornelia Derichs l Quellen: N.N. Feste und Bräuche im Jahreskreis, Aschaffenburg 1985, 262 ff.; Einheitsübersetzung

 

Maria Frieden
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