Weihwasser

Das Weihwasser ist ein Segenszeichen der katholische Kirche, aber auch der orthodoxen und anglikanischen Kirche. Es gehört zu den Sakramentalien (heilswirksamen Zeichen) und wird bei Taufen, Taufgedächtnisfeiern und Beerdigungen und anderen Segnungen verwendet.

Weihwasser besteht aus zwei Stoffen, Wasser und Salz, und wird erst durch das Segensgebet des Priesters oder Diakons zum Weihwasser.

Das Wasser steht für Leben und Reinigung, stellt aber auch eine Gefährdung dar. In der Bibel finden sich zahlreiche Stellen die mit Wasser verknüpft waren und Wunder zeigten. Noah wurde vor einer großen Flut gewarnt, baute daraufhin die Arche und rettete Menschen- und Tierleben. Das Volk Israel ist beim Durchzug durch das Rote Meer von der Sklaverei befreit worden. Bei der Hochzeit zu Kana hat Jesus aus Wasser Wein gemacht.

Das Salz, schon früher hoch geschätzt und wertvoll, verleiht Geschmack und wurde dem Wasser beigefügt, um es vor Fäulnis zu bewahren.

Durch das Segensgebet wird das Wasser geweiht und somit Gott gereicht.

Beim Betreten einer Kirche bekreuzigt sich der gläubige Mensch mit Weihwasser und erneut so jedes mal sein Taufversprechen. Bei der Segnung von Menschen, religiöser Zeichen, Gegenständen, Gebäuden oder Orten werden diese mit Weihwasser besprengt.

Weihwasser wird in den Kirchen in einem großen Behälter vorgehalten und kann von den Gläubigen mit nach Hause genommen werde. Das in der Osternacht geweihte Taufwasser wird auch Osterwasser genannt und wird sehr gerne mitgenommen.


Text: Petra Grüttner l Foto: Gina Sanders - stock.adobe.com

 

Weihwasser… haben Sie es bemerkt?

Weihwasser… haben Sie es bemerkt?

Schauen wir ins „benedictionale“, das Buch für Segnungen (in) der katholischen Kirche, können wir über die zahlreichen Segensgebete und Segnungsriten, die die Kirche kennt, staunen. Das Weihwasser ist das verbindende Element aller Segnungen.

Schauen wir etwas näher hin, entdecken wir zahlreiche Segnungen, die unserem Alltag entspringen oder zumindest mit ihm zu tun haben:

Ziehen wir beispielweise in eine neue Bleibe, in ein Haus oder eine Wohnung, war es früher und ist es teilweise heute noch Brauch, die Wohnung oder das Haus zu segnen.

Gleiches gilt für Autos oder andere Fortbewegungsmittel. Einsatzfahrzeuge, wie etwa Feuerwehrfahrautos, werden gesegnet. Dies haben wir vor ein paar Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr Fischeln miterleben können. In einem Gottesdienst unter freiem Himmel wurde das neue Einsatzfahrzeug gesegnet.

Vor allem in ländlichen Regionen werden bei Prozessionen die Felder und alles, was auf ihnen wächst gesegnet. Dass sie reiche Frucht bringen und eine gute Ernte werde. Neben den Nutztieren der Landwirte (Ochsen, Kühe, Pferde etc) werden mancherorts auch Haustiere gesegnet.

Schauen wir etwas innerkirchlicher, gehören Segnungen zu den Feiern der Sakramente:

  • bei der Taufe werden Kreuze oder Heiligenplaketten gesegnet,
  • bei der Erstkommunion werden die Kommunionkerzen und Kreuze der Kinder gesegnet,
  • bei der Hochzeit werden die Eheringe gesegnet.

Darüber hinaus segnet der Gottesdienstleiter oder die Gottesdienstleiterin bei besonderen Gottesdiensten wie Aschermittwoch (an dem die Asche mit Weihwasser gesegnet wird), Ostern (an diesem hohen Fest spielt das Weihwasser gleich mehrmals eine Rolle), bei Tauferinnerungsgottesdienste, um nur einige zu nennen.

Blicken wir etwas weiter, so finden wir auch bei Beerdigungen und auf dem Friedhof die Segnung mit Weihwasser. Bei der Aussegnung der Verstorbenen und beim Segnen des Grabes.

Wir Christ:innen kennen den Gebrauch von Weihwasser (außerhalb von Corona), wenn wir uns beim Betreten einer Kirche mit Weihwasser bekreuzigen und dabei an unsere Taufe denken.

In Gottesdiensten und Segensfeiern, in denen Kinder oder Paare gesegnet werden, kann Weihwasser verwendet werden. Bei der Kindersegnung, wie wir sie von den Gottesdiensten am Sonntag nach Weihnachten in Maria Frieden kennen, oder an Valentinstag, an dem Paare im Gottesdienst mit Kirche im neuen Format gesegnet werden.

Entdecken Sie doch einmal selbst, in welchen Situationen, bei gottesdienstlichen Feiern und in Ihrem Alltag Weihwasser eine Rolle spielt.

Text: Cornelia Derichs l Foto: Lela Kieler - stock.adobe.com

Weihwasser to go

Corona stellt manch einen vor große Herausforderungen: Beim Betreten einer Kirche ist das Bekreuzigen mit Weihwasser aus einem offenen Weihwasserbecken, in das man zwei Finger eintaucht, erst mal vorbei. Seit Beginn der Pandemie wurde in den Kirchen in Deutschland die Nutzung von Weihwasserbecken untersagt. Die Gefahr, darüber Krankheitserreger zu übertragen ist groß. Studien von Weihwasserproben belegen dies.

Vielen Gottesdienstbesuchern fehlt diese Geste sehr. Auch kann man kein Weihwasser mehr aus dem Weihwasserbehälter zapfen und mit nach Hause nehmen. Wenn Weihwasser in der Liturgie gebraucht wird, z.B. bei Taufen, Hochzeiten oder Beerdigungen, wird frisches Wasser genommen und gesegnet.

Findige Gläubige wollten aber darauf nicht verzichten. Sie überlegten zusammen, wie man da Abhilfe schaffen kann. Schnell kam die Idee auf, Tücher in Weihwasser zu tränken und diese dann wie Feucht- oder Erfrischungstücher zu verpacken. Gesagt, getan. So wurden von einem von der Idee begeisterten Pater 80 Liter Wasser zu Weihwasser gesegnet und dann darin 18000 Tücher eingeweicht und diese einzeln, wie Erfrischungstücher, eingeschweißt. Die Gläubigen waren von dieser Idee begeistert.

Dann erfand man noch die Möglichkeit, Weihwasser in einen geschlossenen Behälter zu füllen, der als Weihwasserspender mit einem Fußpedal bedient wird und man das Weihwasser so auf die Hände gesprüht bekommen kann. Da sollte man aber gut aufpassen, welchen Spender man vor sich hat, denn in unseren Kirchen finden sich sicherlich auch Desinfektionsmittelspender, da jeder Kirchenbesucher sich beim Betreten der Kirche die Hände desinfizieren muss.

Auch in unserer Herz Jesu Kirche hatten wir eine schöne Idee. Wir haben Weihnachten und Ostern Weihwasser in kleine Glasröhrchen gefüllt und den Gemeindemitgliedern zum Mitnehmen angeboten. Damit haben wir einige Gemeindemitglieder sehr glücklich gemacht.

Text: Petra Grüttner

Weihwasser bei uns zuhause.

Weihwasser bei uns zuhause.

Direkt an der Eingangstüre unserer Wohnung hing ein kleines Weihwasserbecken.

Jeden Morgen, wenn meine Geschwister und ich zur Schule gingen, bekreuzigte unsere Mutter uns mit Weihwasser auf der Stirn. Damit stellte sie unseren Weg und den ganzen Tag unter Gottes Segen.

Das gab nicht nur meinen Eltern die Zuversicht, dass alles gut ist, so wie Gott es will.

Wir waren selbstverantwortlich für unser Handeln und frei, ganz ohne Handy, Smartphone oder Computer. Wir konnten frohen Mutes das Haus verlassen und fühlten uns geborgen in Gottes Hand.

Heute hängt dieses kleine Weihwasserbecken in meinem Zimmer, erinnert mich an eine wohlbehütete Kindheit und gibt mir immer noch die Zuversicht unter Gottes Schutz zu stehen.

Text und Foto: Renate Kloss