Ostern: Hochfest mit vielen Traditionen

Rund um das Osterfest ranken sich neben den kirchlichen Traditionen auch viele Bräuche. Bunt bemalte und versteckte Ostereier sind nur einer davon. Das Redaktionsteam stellt Bräuche und Hintergründe rund um das Fest vor. 

 

Das Osterparadoxon: Wenn das Osterfest zu spät ist

Das Osterparadoxon: Wenn das Osterfest zu spät ist

Wie viele bestimmt schon gemerkt haben: Ostern ist dieses Jahr recht spät. Jedes Jahr variiert das Datum, doch dieses Jahr ist das Osterfest eigentlich sogar zu spät. Normalerweise gilt: Ostern wird am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert. Der astronomische Frühjahrsanfang war in diesem Jahr am 20. März und der erste Vollmond im Frühjahr am Morgen des 21. März. Doch die astronomische Berechnung und die Festlegung des Frühlingsanfangs im Kalender stimmen in diesem Jahr nicht überein. Dass es eine Diskrepanz zwischen der astronomischen und kalendarischen Bestimmung des Frühlingsanfangs gibt, ist auf das Konzil von Nicäa zurückzuführen.

Im 4. Jahrhundert herrschte ein Streit zwischen christlichen Theologen, wann genau das Osterfest stattfinden soll. Man einigte sich darauf, Ostern nach dem jüdischen Passahfest zu feiern, da die Evangelien überliefern, dass Jesus nach dem Passahmahl verhaftet und hingerichtet wurde. Das Passahfest beginnt am ersten Frühlingsvollmond. Das Konzil besagte daher: Ostern findet an dem ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsbeginn statt. Der Frühlingsanfang wurde auf den 21. März, hier noch im julianischen Kalender, festgelegt. Der frühste Termin für Ostern kann infolge der 22. März und der späteste Termin der 25. April sein.

Im 18. Jahrhundert entwickelte der Mathematiker Carl Friedrich Gauß daher eine Osterformel, um den Termin des Osterfestes zu bestimmen. Obwohl es möglich war, den Frühlingsanfang anhand der Tag- und Nachtgleiche zu berechnen und auch den Vollmond genau zu bestimmen, wurde der Frühlingsanfang generell auf den 21. März festgelegt und die Berechnung des Vollmondes zyklisch vorgenommen – unabhängig von den astronomischen Berechnungen. Diese führten, aufgrund verschiedener Zeitzonen, nämlich zu zeitlichen Unterschieden, je nachdem an welchem Ort man diese Zeitpunkte bestimmt.

Der Ostertermin wird in den westlichen Kirchen anhand der Formel von Gauß in Verbindung mit dem gregorianischen Kalender errechnet. Die Formel führt dazu, dass das kalendarisch errechnete Osterfest von der astronomischen Errechnung abweichen kann und es somit, wie in diesem Jahr, zum Osterparadoxon kommt. Durch die zyklische Berechnung des Vollmonds, zählt der Vollmond in der Nacht vom 20. zum 21. März noch als Wintervollmond. Daher erscheint der erste Vollmond nach dem auf den 21. März festgelegten Frühlingsanfang erst im April, wodurch das Osterfest dieses Jahr auf den 21. April fällt. Das nächste Jahr mit Osterparadoxon ist das Jahr 2038.

Wussten Sie außerdem, …

… dass die Ostkirchen noch mit Hilfe des julianischen Kalenders das Osterdatum errechnen, was zu einem Unterschied von bis zu 13 Tagen gegenüber dem Osterfest in der Westkirche führen kann? Das Osterfest der orthodoxen Kirche wird dieses Jahr am 28. April gefeiert.

… dass in jeder christlichen Kirche, egal ob katholisch, protestantisch, armenisch oder griechisch-orthodox, am Osterfest die Auferstehung Jesu Christi von den Toten gefeiert wird, wobei sich die Termine und auch Riten unterscheiden können?

… dass in Spanien Prozessionen in der „semana santa“ (deutsch: heilige Woche) stattfinden?

… dass Eier und Süßigkeiten in Deutschland traditionell vom Osterhasen, in Schweden aber vom Osterküken und in Australien vom Oster-Bilby, ein australisches Beuteltier, versteckt und verteilt werden?


Text: Lisa Grüttner l Illustration: Birgit Brandlhuber - stock.adobe.com

Das Symbol Osterkerze: Licht ist Leben

In der Welt und der jüdisch christlichen Religion hat das Licht immer schon eine besondere Stellung. Die Geschichte der Schöpfung beginnt mit den Worten: „Finsternis lag über den Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser“.

Gott sprach: „Es werde Licht.“ Und es wurde Licht. (Genesis 1)

Die Schöpfungs­geschichte aus dem Buch Genesis wird in jeder Osternacht vorgelesen.

Licht bedeutet Leben, so hat die Osterkerze eine herausragende Stellung in der Liturgie der Kirche. Sie ist das Symbol des aufer­standenen Herrn. Ihr Licht wird in der Osternacht am Osterfeuer entzündet und steht für den Triumpf, für den Sieg des Lichtes über die Finsternis, in Analogie zu der Auferstehung, die ebenfalls Triumpf des Lebens über den Tod bedeutet.

Christus sagt: „Ich bin das Licht der Welt“.

In der Osternacht wird die Kerze mit dem dreimaligen Ruf „Lumen Christi“ – „Christus das Licht“ feierlich in die dunkle Kirche getragen. Mit dem Licht der Osterkerze werden dabei die vielen Kerzen der Gläubigen entzündet, sodass ihr Licht in der Dunkelheit erstrahlt als Zeichen des Triumpfes des Lebens über den Tod. Denn Christus sagt auch, wir sollen Kinder des Lichtes sein und in seinem Licht leben.

Die Osterkerze steht in der Osterzeit bis zum Pfingstfest, das acht Wochen nach Ostern gefeiert wird, im Altarraum. In der restlichen Zeit des Jahres wird sie bei Tauffeiern und Beerdigungen in den Altarraum gestellt und angezündet, um damit die Gegenwart Christi zu symbolisieren.


Text: Walburga Nauen l Foto: Petra Grüttner
Bunt geschmückte Osterbrunnen

Bunt geschmückte Osterbrunnen

Zugegeben, in Krefeld sind sie bisher noch nicht gesichtet worden. Bunt geschmückte Ostergrunnen haben in anderen Gegenden allerdings eine lange Tradition. In der Fränkischen Schweiz begann man so um das Jahr 1910 damit, Brunnen zu Ostern reichhaltig zu verzieren. Der Schmuck besteht traditionell aus augeblasenen und künstlerisch bemalten Eierschalen und vielen bunten Papierbändern. Oft kommen auch noch Blumen hinzu.

Geschmückt werden die Brunnen vor allem wegen der Bedeutung des Wassers für das Leben. Und gerade dem Wasser der Osterzeit wurde und wird besondere Bedeutung beigemessen. So soll der Genuss von Osterwasser vor Krankheiten schützen und im Haus verspritzes Osterwassser gegen Ungeziefer wirken.


Foto: privat
Eier färben

Eier färben

Ostern bedeutet für viele: bunte Ostereier! Vor allem die Kleinen freuen sich über die farbenfrohen Eier und möglichst viele in ihren Verstecken zu entdecken. In fast jedem Supermarkt finden sich zu dieser Zeit bereits fertig gefärbte Ostereier. In meiner Familie ist es allerdings Tradition die leckeren Frühstückseier selbst zu färben. Bereits meine Oma sorgte eigens dafür, dass für jeden genug Ostereier da waren. So verschönerte sie jedes Jahr, kurz vor Ostern mit der Hilfe ihrer Töchter, 90 Eier mit den verschiedensten Farbkombinationen. Seit vielen Jahren nun schon hat meine Tante diese Aufgabe übernommen mit der tatkräftigen Unterstützung meiner Cousine, meiner Schwester und mir. Wir kochen und färben zwar nur noch rund 50 Eier, aber auch das ist viel Arbeit, vor allem wenn man nach ein paar unifarbenen auch mehrfarbige Kunstwerke erschafft – oder es zumindest versucht.

Ganz wichtig dabei: alte Kleidung anziehen! Denn wenn’s mal spritzt, verteilen sich wenigstens keine bunten Punkte auf dem Lieblingspulli. Zunächst müssen alle Eier hart gekocht werden. In der Zwischenzeit können die Farbtabletten (fünf einer Farbe pro Topf) in Essig aufgelöst und mit heißem Wasser angerührt werden. Wir nehmen die Farben Rot, Blau, Grün, Gelb und Lila. Dazu sollten man alte Töpfe verwenden, da sich die Farbe sehr stark im Topf absetzen kann. Sind alle Eier gekocht und die Farbsuppen fertig, kann’s losgehen: die Eier werden so lange in die Flüssigkeit gelegt bis die Schale die Farbe gut angenommen hat und die Eier schön bunt sind. Hat man genug einfarbige Eier gefärbt und möchte man etwas Abwechslung haben, kann man den Farbsuppen ein wenig Öl hinzufügen, sodass die Farbe beim Eintauchen der Eier nur noch teilweise die Schale einfärben kann. So kann man die Eier in verschiedene Farben tunken, um bunte Muster zu erhalten. Zwar hat man bei dem ganzen Mischmasch manchmal das Pech ein fast braunes Ei zu erschaffen, doch meistens entstehen schöne marmorierte und farbenfrohe Ostereier. Zum Schluss werden alle Eier mit Öl eingerieben, um sie zum Glänzen zu bringen. Vielleicht inspiriert dies ja den ein oder anderen dieses Jahr mit Freunden oder der Familie sich etwas Zeit zu nehmen und selber ein paar Eier zu gestalten. Und wer die Eier lieber nur isst, anstatt sie zu färben, dem bleibt noch das Eierkitschen beim Osterfrühstück.


Text: Lisa Grüttner l Foto: Ulf Grüttner
Die Tradition der Osterfreuer

Die Tradition der Osterfreuer

Es gibt viele Dinge, die die Osternacht zu etwas ganz Besonderem machen, und das Osterfeuer ist eines dieser Dinge. Das Osterfeuer ist ein sehr wichtiger Bestandteil der Osternacht, denn bevor die Liturgie der Osternacht beginnt, wird draußen vor der Kirche ein Feuer entzündet, welches gesegnet wird, um an diesem dann die Osterkerze entzünden zu können. Doch nicht nur das macht das Osterfeuer besonders. Nach der Messe ist es ein Anlaufpunkt, um den sich die Menschen noch sammeln, sich begegnen, unterhalten, vielleicht einen Wein zusammen trinken und diesen Abend gemeinsam ausklingen lassen.

Die Tradition eines Osterfeuers wird seit dem 16. Jahrhundert in einigen Teilen Deutschlands auch außerhalb der Kirche zelebriert. Hierbei werden die Holzstapel möglichst hoch getürmt, um das größte Feuer in der Umgebung zu machen. Die Menschen versammeln sich auch hier am Feuer, trinken und essen zusammen und kommen ins Gespräch.


Lisa Grüttner l Foto: Oskar - Fotolia.com
Das Osterwasser

Das Osterwasser

Das Osterwasser ist ursprünglich wohl ein heidnischer Brauch. Seit Anbeginn der Menschheit gilt Wasser als Symbol des Lebens und der Fruchtbarkeit. Schon die alten Germanen verehrten das Wasser zum Andenken an die Frühlings- und Fruchtbarkeitsgöttin Ostera. Es war Brauch, dass die Mädchen und Frauen das Wasser in der Nacht von Samstag auf Ostersonntag aus einem Bach schöpften und es schweigend nach Hause trugen. Im Volksmund wurde dieses Wasser auch „Plapperwasser“ genannt, weil die jungen Männer versuchten, die Mädchen zum Lachen oder Sprechen zu bringen. Es sollte gegen Augenleiden, Ausschlag und andere Krankheiten geholfen haben. Kinder, die mit dem Osterwasser getauft wurden, sollten besonders intelligent werden.

Seit dem 2. Jahrhundert ist es bei den Christen Brauch, das Taufwasser in der Osternachtfeier zu weihen. Dazu wird die Osterkerze in der Feier dreimal in das Becken mit dem Wasser getaucht. Dabei wird ein Gebet gesprochen: „Durch deinen geliebten Sohn steige herab in dieses Wasser die Kraft des Heiligen Geistes, damit wir alle, die durch die Taufe mit Christus begraben sind in seinem Tod, durch die Taufe mit Christus auferstehen zum ewigen Leben.“ Danach erneuern die Gläubigen ihr Taufversprechen und werden dann mit dem geweihten Wasser besprengt.

Die Gläubigen können von dem geweihten Wasser mit nach Hause nehmen und es in ihrer Wohnung in ein kleines Weihwasserbecken füllen. Bei den Taufen an oder nach Ostern wird dieses Wasser dann für die Taufe verwendet.

In der Gemeinde St. Clemens werden jedes Jahr ca. 30 Liter Wasser in der Osternacht geweiht. Dieses Wasser bleibt bis zum 2.Sonntag nach Ostern im Altarraum stehen und wird danach in dem Weihwasserbehälter in der Kirche gelagert. Es kommen immer noch Gläubige und nehmen von diesem Wasser etwas mit nach Hause.


Text: Lisa Grüttner
Weihwasser bei uns zuhause.

Weihwasser bei uns zuhause.

Direkt an der Eingangstüre unserer Wohnung hing ein kleines Weihwasserbecken. Jeden Morgen, wenn meine Geschwister und ich zur Schule gingen, bekreuzigte unsere Mutter uns mit Weihwasser auf der Stirn. Damit stellte sie unseren Weg und den ganzen Tag unter Gottes Segen. Wir konnten frohen Mutes das Haus verlassen und fühlten uns geborgen in Gottes Hand. Heute hängt dieses kleine Weihwasserbecken in meinem Zimmer, erinnert mich an eine wohlbehütete Kindheit und gibt immer noch die Zuversicht unter Gottes Schutz zu stehen.


Text und Foto: Renate Kloss
 

Maria Frieden
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