Impuls zum Weißen Sonntag, den 19. April 2020

der ungläubige Apostel Thomas

Ach, Du tust mir einfach gut, lieber Thomas!

Wenn ich von Dir im Evangelium lese, dann denke ich oft: „Genau! Das hätte ich auch gesagt oder getan!“ Wie Du konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, wo und wie Jesus denn wohl eine Wohnung für Euch vorbereiten wollte. Klar, dass Du Dich beschweren musstest, als er sagte, den Weg dorthin würdet Ihr kennen! Konntet Ihr doch gar nicht!

Vermutlich habt Ihr ja alle gespürt, dass das mit Jesus und den Schriftgelehrten und den Pharisäern nicht ewig gut gehen konnte. Jesus war in seiner unbedingten Menschenliebe, die er wichtiger nahm als alle Gebote, sehr „Autorität zersetzend“, wie wir heute vielleicht sagen würden. Und dass er im Namen Gottes Sünden vergab, das musste seine Kritiker auf den Plan rufen. Sicher habt auch Ihr gespürt, dass Jesus in Lebensgefahr war. Ihr habt Euch bestimmt das ein oder andere Mal gefragt, wie das wohl mit ihm weitergehen sollte. Eine friedliche Wohnung einzurichten war sicher nicht angebracht in diesen Zeiten.

Die seltsame Antwort von Jesus auf Deine Frage „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ muss Euch ganz schön verwundert haben. Aber Jesus tat und sagte ja öfter seltsame Dinge, die man erst so nach und nach verstehen und interpretieren lernte.

Und dann die Sache mit der Auferstehung! Wie konntest Du denn glauben, dass er seinen Freundinnen und Freunden leibhaftig erschienen war? Du hattest doch erlebt, wie er gequält, geschunden und so erbärmlich hingerichtet worden war. Vielleicht warst Du ja mit am Grab, als der schwere Stein davor gerollt wurde. Da kam keiner wieder raus! Tot ist tot!

Du konntest natürlich nicht glauben, dass diese gequälte Gestalt leben sollte. Ich kann Deine Reaktion sehr gut nachvollziehen! Wie Du will ich meinen Kopf einsetzen dürfen, will verstehen und nachvollziehen! Ich finde, Du hast genau das getan, was sinnvoll war! Du wolltest „den Finger in die Wunde legen“. Bei uns heute ist das ein Ausdruck dafür, die entscheidende Frage, den wichtigsten Argumentationspunkt zu benennen.

Du hast den entscheidenden Punkt auf den Tisch gelegt: „Wer tot ist, ist tot!“ Niemals zuvor und niemals danach hat jemand erlebt, dass ein toter Körper lebendig wird. (Oder doch? Ihr hattet ja vielleicht die Sache mit Lazarus mitbekommen...) Egal: so tot wie Jesus war – da gab es kein Leben mehr!

Und dann? Ihr traft Euch im Freundeskreis und erzähltet die alten wunderbaren Geschichten von Jesus. Ihr habt zusammen gegessen, getrunken und über alles das gesprochen, was Ihr mit Jesus erlebt hattet.

Wie sehr hatte er Euch verstanden! Wie wunderbar hatte er von Gottes Liebe gesprochen! Wie gut hatte er zugehört und Körper und Seele aufgerichtet! Jeder Mensch war ihm wichtiger gewesen als das Gesetz! Sein Wort galt, unverbrüchlich, unwiderruflich. Seine Treue und Liebe waren echt gewesen und blieben es auch weiterhin! Sein Vertrauen in den Vater hatte Euch alle angesteckt. Von ihm hattet Ihr beten gelernt und Nächstenliebe und Menschenwürde und Friedenssehnsucht und Achtung voreinander....

Und im Erzählen, sag ehrlich! Hast Du da gemerkt: Das alles ist nicht vorbei. Das alles ist und bleibt lebendig! Da können die Schergen den armen Körper noch so sehr zugerichtet und den letzten Lebensfunken herausgeprügelt haben, das, was Jesus gelebt und getan hatte, das war damit nicht ausgelöscht worden! Das alles war immer noch gültig, lebendig und greifbar!

Es gab keinen Grund, die Hoffnung auf eine Welt aufzugeben, in der Gerechtigkeit, Liebe und Frieden zählen. Es gab keinen Grund, in die alten Berufe, in die Familien, ins alte Leben zurückzukehren!

Das, was Jesus Euch verkündet und gelehrt hatte, das gab Euch immer noch Heimat, machte Sinn. Es war immer noch wahr …. und würde in Zukunft wahr bleiben … und Hoffnung geben! Jesus Geist war sehr konkret spürbar unter Euch!

Seine Liebe war so lebendig, greifbar und ermutigend! Da konnte sich keiner mehr verängstigt im Hinterzimmer verstecken! Selbst durch geschlossene Türen hindurch war seine Gegenwart greifbar! Dieses Wissen musste raus, in die Welt hinaus gesagt werden! „Jesus ist lebendig, bleibt lebendig erfahrbar, wenn wir tun, was er uns vorgelebt hat!“

Weißt Du, Thomas, ob das Grab nun wirklich leer war oder nicht, das spielt eigentlich keine Rolle. Wichtig ist doch nur, dass wir Jesu Mut machenden Geist, seine unerschütterliche Liebe und Nähe spüren und uns bei ihm zuhause fühlen. Dann wird wahr, was er Dir gesagt hatte: Ich gehe, um eine Wohnung für Euch vorzubereiten. Diese Zusage gab Euch und gibt mir Halt und Geborgenheit – wie ein echtes Zuhause. Ja, wenn ich Jesu Weg folge, seine Wahrheit lebe, dann lebe ich echt, frei und ungeknechtet!

Ich bin froh, dass Du so kritisch hinterfragt hast und „den Finger in die Wunde legen“ wolltest. Am Ende war das „Mal der Nägel spüren“ ja gar nicht mehr nötig! Du hast die Leben- und Hoffnung-schenkende Gegenwart Deines Freundes Jesus hautnah gespürt! Ein überwältigtes „Mein Herr und mein Gott“, kam Dir nur noch über die Lippen. So ist es uns überliefert. Gott sei Dank!


Impuls: Brigitte Schmitz, Gemeindereferentin l Foto: Adam Ján Figeľ - stock.adobe.com

Maria Frieden
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