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Nikolaus: Der lange Weg vom Wohltäter zur Süßigkeit

Nikolaus war einer der populärsten Heiligen der Ostkirche und auch der Kirche des Westens. Außer dass er im 4. Jahrhundert Bischof von Myra war, gibt es wenige historisch gesicherte Angaben.

Nikolaus von Myra wuchs in einer frommen, wohltätigen und vermögenden Familie auf. Nachdem sein Vater Euphemius und seine Mutter Anna, während einer Pestepidemie gestorben waren, verteilte Nikolaus sein Erbe unter die Bedürftigen und trat in das Kloster von Sion ein. Sein Onkel Nikolaus, Bischof von Myra, weihte ihn zum Priester.

Zu seiner eigenen Überraschung wurde Nikolaus vom Volk um 300 zum Bischof ausgerufen – in der christlichen Frühzeit wurden die Bischöfe noch von der Gemeinde gewählt. Während der letzten großen Christenverfolgung unter Kaiser Galerius um 310, wurde Nikolaus eingekerkert und misshandelt, aber nicht getötet. Gezeichnet von den erlittenen Folterungen soll Bischof Nikolaus beim Konzil von Nicäa 325 aufgetreten sein. Auf dieser Konferenz wurde die Lehre von der Dreieinigkeit - Gott: Vater, Sohn, Hl. Geist, eine Gottheit in drei Personen - zum Dogma erklärt.

Christen anderer Überzeugungen, z.B. Arius, wurden als Ketzer verbannt. Nikolaus und Papst Silvester sollen die Glaubenssätze der Trinität vertreten haben. Die Anwesenheit von Bischof Nikolaus beim Konzil von Nizäa kann aber angezweifelt werden, da sein Name auf keiner der alten Bischofslisten des Konzils erwähnt wird.

Der 6. Dezember erinnert an den Todestag

Nikolaus' Todestag soll der 6. Dezember gewesen sein. Nach seinem Tod wurde über Wunder berichtet: seinen Gebeinen entquoll Öl, das jegliche Krankheit zu heilen vermochte.

Am 10. Mai 1087 überführten italienische Kaufleute die Gebeine des Bischofs aus der Kirche zu Myra nach Bari in Apulien in Italien. Man errichtete auf den Trümmern des byzantinischen Gouverneurspalastes die Basilika S. Nicola, die Papst Urban II. 1098 weihte. Die Seldschuken, ein alttürkisches Herrschergeschlecht in Vorderasien, hatten den Byzantinern im Jahr 1071 eine bedeutende Niederlage zugefügt, woraufhin auch die Bevölkerung von Myra in die Berge geflohen war. Die Reliquien des heiligen Nikolaus drohten verloren zu gehen.

Auch aus seinem Grab in Bari floss ein wohlriechendes Öl, und schnell wurde bekannt, dass Kranke geheilt wurden. Nikolaus ist und bleibt der Helfer in allen Nöten. Nach seinem Tod reißen Berichte über seine Hilfe in verschiedensten Anliegen nicht ab. Das Wunder der Flüssigkeit, die aus dem Gefäß mit seinen Gebeinen tropft, hat sich stets erneuert.

Dieses Manna di San Nicola wird bis in unsere Zeit am Abend des 9. Mai, dem Jahrestag der Überführung der Gebeine nach Bari, aus dem Sarkophag entnommen und den Gläubigen zur Verehrung dargeboten.

Gefragter Patron

Reliquien des hl. Nikolaus befinden sich auch in Freiburg in der Schweiz. Die Freiburger hatten ihre Stadt 1157 unter den Schutz des hl. Nikolaus gestellt. 1320 errichtete die Abtei eine Kapelle zur Verehrung des Heiligen. 1420 erhielt der Kanton Freiburg von Rom Reliquien des hl. Nikolaus. Sie gelangten zunächst in den Besitz der Abtei, wurden aber von Papst Julius II. der Stadt Freiburg zugesprochen und befinden sich seit dem 2. März 1506 in der Kathedrale St. Nicolas.

Der heilige Nikolaus ist Patron von Russland und Lothringen, der Ministranten, Kinder, Jungfrauen, Pilger und Reisenden, der Rechtsanwälte, Notare, Kaufleute, Apotheker, Wirte, Weinhändler, Parfümfabrikanten und -händler. Der Schiffer, Fischer, Matrosen, Flößer, Müller, Bäcker, Korn- und Samenhändler, Metzger, Bierbrauer, Weber, Spitzen- und Tuchhändler, Steinmetze, Kerzenzieher, Zigeuner, Prostituierten, der Feuerwehr und der Gefangenen. Er wird angerufen für eine gute Heirat, gegen Wassergefahren und Seenot, zur Wiedererlangung gestohlener Gegenstände und gegen Diebe.

Zahlreiche Legenden

Es ranken sich viele Legenden um die Person des hl. Nikolaus:

  • Während einer großen Hungersnot in Myra legte im Hafen ein Schiff aus Ägypten an, das Getreide geladen hatte. Schnell hatte sich dies herumgesprochen und die Menschen liefen hin, um Korn zu kaufen. Die Seeleute waren nicht bereit, ihnen etwas davon zu geben, weil die Ladung für den Kaiser bestimmt war. Bischof Nikolaus ging zu den Seeleuten und bat sie: "Helft doch den armen Menschen". "Und was sagen wir den Leuten des Kaisers?" entgegnete der Schiffsführer. "Sie werden uns bestrafen, wenn etwas fehlt." "Das soll nicht eure Sorge sein. Schiebt alles auf mich, wenn ihr Ärger bekommt. Habt keine Angst." Weil der Bischof so überzeugend sprach, gaben sie nach und schleppten die Kornsäcke vom Schiff herunter. Der Bischof sorgte für die gerechte Verteilung des Mehls. Das Schiff fuhr weiter und als die Ladung in Konstantinopel gelöscht wurde, stellten die Seeleute verwundert fest, dass nicht ein einziges Korn fehlte. Das in Myra entnommene Korn aber reicht volle zwei Jahre und konnte sogar noch zur Aussaat verwendet werden.

  • Das finanzielle Überleben einer Familie ist bedroht. Gern würde der Vater seine drei Töchter im heiratsfähigen Alter vermählen, um ihre Versorgung zu sichern. Aber ohne angemessene Mitgift war es nicht möglich, eine Ehe zu schließen. Schließlich scheint kein anderer Ausweg mehr offen, als dass die Töchter in der Hafenstadt als Prostituierte Geld für die Familie verdienen. Aus dieser Situation werden die Frauen gerettet, indem Nikolaus in drei aufeinander folgenden Nächten eine Goldkugel durch ihr Fenster aufs Bett wirft. Dadurch ist die Mitgift gesichert, und eine Heirat wird möglich. Um unerkannt zu bleiben, war der Wohltäter jeweils heimlich des Nachts zu dem Hause gekommen. In der dritten Nacht lauert der Vater dem Bischof auf um ihm zu danken.

  • Drei zu Unrecht zum Tod Verurteilte konnte er retten, indem er im Traum dem Kaiser erschien und um ihre Befreiung bat; in anderer Version rettete sie Nikolaus, indem er das Schwert des Henkers abwehrend ergriff.

  • Um ein in Seenot geratenes Schiff mit drei Pilgern zu retten, die von Ephesus ausfuhren und das für eine christliche Kapelle bestimmte heilige Öl in den Tempel zurückbringen sollten, ging Nikolaus in Gestalt eines fremden Mannes an Bord, stillte den Sturm, und das Schiff erreichte sicher den Hafen. Als sie das Schiff im Hafen festgemacht hatten, war der unbekannte Retter verschwunden. Da liefen sie alle zur Kirche von Myra, um Gott für ihre wunderbare Rettung zu danken. Dort trafen sie Bischof Nikolaus und waren überrascht, als sie erkannten, dass er der Helfer gewesen war. Sie fielen vor Bischof Nikolaus auf die Knie und dankten ihm. Der Bischof aber sagte zu ihnen: "Nicht mir sollt ihr danken, sondern Jesus! Er ist immer bei euch, auch in Gefahr und Not, dann braucht ihr keine Angst mehr zu haben!"

  • Auf der Suche nach Arbeit fielen drei Jungen einem Metzger in die Hände, der sie in ein Pökelfass steckte und zu Wurst verarbeiten wollte; sie waren schon zerteilt, als der Bischof davon erfuhr und sie wieder zum Leben erweckte.

  • Ein Vater pilgert mit seinem Sohn nach Myra, um der Kirche einen wertvollen Kelch zu stiften. Bei genauer Überlegung erschien ihm der Kelch als zu wertvoll, und er ließ einen billigeren Kelch anfertigen. Während der Überfahrt nach Myra bat er seinen Sohn, mit dem wertvollen Kelch etwas Wasser aus dem Meer zu schöpfen. Der Sohn fiel über Bord und verschwand in den Wellen. Als der Vater in Myra ankam und den zweiten Kelch auf den Altar der Nikolauskirche stellen wollte, fiel dieser immer wieder herunter. Völlig überraschend stand plötzlich sein Sohn mit dem wertvollen Kelch in der Kirche und erzählt, dass der heilige Nikolaus ihn gerettet habe. Daraufhin opferte der Vater beide Kelche.

Dargestellt wird Nikolaus in der katholischen Kirche als Bischof mit drei Goldkugeln, drei Broten, drei Äpfeln, drei Steinen, Kessel mit drei Knaben darin und Schiffen.

Die heute zur Adventszeit übliche Darstellung mit rotem Mantel, Zipfelmütze und weißem Bart entstammt dem 19. Jahrhundert und geht auf ein Gemälde Moritz von Schwinds zurück. In die Gestalt sind der Bischof Nikolaus, der "Herre Christ" Martin Luthers als weihnachtlicher Gabenbringer und andere winterliche Gestalten wie "Väterchen Frost" eingeflossen.

In volkstümlichen Nikolausliedern wird traditionell bei den Nikolausfeiern gesungen „Lasst uns froh und munter sein!“ In diesem Lied wird über die alte Tradition, einen Teller am Vorabend des Nikolaustages aufzustellen, gesungen. In vielen Gegenden ist es auch üblich am Vorabend einen Stiefel vor die Türe zu stellen, in der Hoffnung in am Nikolaustag gefüllt mit süßen Leckereien wieder finden.


Text und Fotos: Renate Kloss

Maria Frieden
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