Die Weisen aus dem Morgenland

Das zweite Kapitel des Matthäusevangeliums berichtet von der Geburt Jesu Christi in Bethlehem und über die Verehrung des Neugeborenen. Dort heißt es: Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen“.

Die Weisen haben den Aufgang eines Sterns beobachtet, der die Geburt eines Königs ankündigt. Ob es ein tatsächliches Phänomen am Sternenhimmel gegeben hat, ist unter Astronomen umstritten, denkbar wäre eine bestimmte Planetenkonstellation, eine Supernova oder ein Komet.

Die Sterndeuter kommen zuerst nach Jerusalem, als Hauptstadt eines Königs der Juden. Hier wird die politisch motivierte Reaktion der Aristokratie auf die Geburt des Messias geschildert.

König Herodes beauftragt sie zurückzukehren und ihm genau den Aufenthaltsort des Kindes zu verraten. So weist das Matthäusevangelium auf eine Vorbereitung vom Kindermord in Betlehem und auf das zentrale Motiv der Ablehnung des Messias durch sein eigenes Volk hin.

So folgen die Sterndeuter, die wegen ihrer Klugheit auch die „Weisen“ genannt werden, wieder dem Stern, der vor ihnen her zieht bis nach Betlehem und dort stehen bleibt. Im Evangelium wird die Geburtsstätte Jesu als einfaches Haus bezeichnet, in dem die Sterndeuter überglücklich und mit großer Freude ihre wertvollen Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe bringen.

Diese Gaben bringen die drei Weisen symbolisch: „Gold dem großen König, Weihrauch dem wahren Gott und Myrrhe für sein Begräbnis“.

Dieser Gedanke findet sich in dem Liedtext “Ein Stern ist aufgegangen“ von Guido Maria Dreves: Die Weisen brachten „Weihrauch dem Gotteserben, dem Königskinde Gold, die Myrrhe ihm, der sterben für uns am Kreuze wollt“.

Die „Sterndeuter“, die durch den Stern von Betlehem zu Jesus geführt wurden, werden im Neuen Testament nicht als „Könige“ bezeichnet, auch gibt es keine Angabe über ihre Anzahl. Diese Angaben entstammen einer umfangreichen Legendenbildung aus dem 3. Jahrhundert. Erstmals wurden dann in Legenden des 6. Jahrhunderts die Namen Caspar, Melchior und Balthasar erwähnt.

Zum Dreikönigsfest des Mittelalters wurden die Legenden weiter ausgestaltet. So sind in einem deutschen Mysterienspiel aus dem 14. Jahrhundert Melchior König von Arabien, Balthasar von Saba und Caspar von Chaldäa/Babylon. In französischen Mysterienspielen ab dem 11. Jahrhundert stammen die Könige aus den damals bekannten drei Kontinenten Europa, Asien und Afrika.

Als Heilige Drei Könige werden sie in der katholischen Kirche verehrt. Ihr Hochfest ist das Fest der Erscheinung des Herrn – Epiphanie – am 6. Januar.

Auch in den evangelischen Kirchen wird zu Epiphanias der Weisen gedacht. In den orthodoxen Kirchen ist ihr Fest dagegen zusammen mit Weihnachten am 25. Dezember. 

 

Dreikönigs­schrein

Der Überlieferung nach lässt sich die Geschichte der Reliquien der Heiligen Drei Könige bis in 12. Jahrhundert verfolgen.

Die hl. Helena, die Mutter des Kaisers Konstantin, soll auf einer Pilgerfahrt in Palästina um das Jahr 326 die Gebeine der Könige gefunden und mit genommen haben. Bischof Eustorgius von Mailand soll einige Jahre später die Reliquien als Geschenk des Kaisers erhalten haben. In der geweihten Basilika des hl. Eustorgius in Mailand lassen sich die Reliquien der Heiligen Drei Könige erstmals geschichtlich nachweisen. 1158 wurde die Gebeine durch Friedrich Barbarossa von der Basilika des hl. Eustorgius in den Glockenturm, der in der Stadt gelegenen Kirche, des hl. Georg geschafft.

Nach der Eroberung Mailands erhielt der kaiserliche Kanzler und Kölner Erzbischof Rainald von Dassel die Gebeine als Geschenk von Kaiser Barbarossa. So gelangten die Reliquien am 23. Juli 1164 nach Köln, wo sie bis heute im Kölner Dom verehrt werden. 1903 wurde ein Teil der Reliquien an die Mailänder Basilika des Hl. Eustorgius zurückgegeben.

Brauchtum

In der Nacht auf den 6. Januar bringt die Hexe Befana den wartenden Kindern in Italien die Gaben. Jahrmarktähnliche Veranstaltungen für Kinder finden z. B. in Rom auf der Piazza Navona statt.

Auch in Spanien findet die weihnachtliche Bescherung am Dreikönigstag statt. Zu diesem Anlass gibt es festliche Umzüge, an denen als Höhepunkt drei als Könige verkleidete Einheimische Süßigkeiten in die Menge werfen.

In Dinkelsbühl findet die einzige bekannte Dreikönigsprozession in Deutschland statt. Kleine Dreikönigsreliquien aus der Dreikönigskapelle werden in feierlicher Prozession in das katholische Münster St. Georg getragen.

Ein Gebäck namens Dreikönigskuchen wird am Dreikönigstag in Frankreich, Belgien, Luxemburg, Spanien, Portugal, Argentinien, Mexiko, Liechtenstein, in großen Teilen der Schweiz und in kleinen Teilen Österreichs gebacken.

Dreikönigs­singen

Die Tradition des Dreikönigsingens, auch Sternsingen genannt, geht auf mittelalterliche Bräuche zurück. Das Brauchtum wird vorrangig in katholischen Gemeinden in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol praktiziert und wurde in der Mitte des 20. Jahrhunderts wiederbelebt.

Den Menschen, die sie einlassen, singen die Sternsinger ein Lied und sprechen ein Gebet. 20-C-M-B-18 diese Segensbitte der Sternsinger wird dann an den Türen der Häuser geschrieben.

Von diesen Anfangsbuchstaben der Namen Caspar, Melchior und Balthasar leitete man Mitte des 20. Jahrhunderts „Christus mansionem benedicat“ („Christus segne (dieses) Haus!“) als christlichen Segensspruch ab.

 


Texte: Renate Kloss l Foto: Ulrike Rosellen

Maria Frieden
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